Fortsetzung Teil 5 aus meinem Buch “Der goldene Skalp”

Abrechnen in den Weihnachtsferien

In den Weihnachtsferien habe ich eine √Ąrztin, die ich gut kenne, in ihrer Praxis besucht. Dieser Januar war traumhaft warm, und die Sonne strahlte am Himmel. Kein Vergleich zum d√ľsteren Vorjahr. Viele andere haben die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester zum Entspannen genutzt. Sie aber sa√ü in ihrer Praxis vor ihrer Quartalsabrechnung. Als sie mir die T√ľr √∂ffnete und ich eintrat, war es wie ein Sprung vom helllichten Tag in die Nacht. √úberall brannte Licht. Die Rollos waren wie immer bei geschlossener Praxis heruntergelassen. W√§ren sie oben, w√ľrden unter jeder Garantie Patienten klingeln. Die √Ąrztin sa√ü vor ihrem Computer, auf dem Schreibtisch stapelweise Papier, und √ľberpr√ľfte die Unterlagen von Patient zu Patient. Das sind nicht wenige, die sie mit ihren beiden Kollegen betreut. ¬ęDas ist doch Schikane!¬Ľ, sagte ich zu ihr. ¬ęDie Leute, die sich diesen b√ľrokratischen Oberschmarren hier ausgedacht haben, fahren jetzt irgendwo Ski, liegen in der Sonne, und du sitzt hier und kontrollierst jede einzelne Zahl und jeden einzelnen Buchstaben von dem zu Ende gehenden Quartal.”

Sie meinte, dass ich schon recht h√§tte. ¬ęAber was soll ich machen? Ich muss hier akribisch schauen, dass ich nichts vergesse und nirgendwo ein Zahlendreher drin ist.¬Ľ Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Zahlendreher? Dazu muss ich ein paar Takte erkl√§ren. Die niedergelassenen √Ąrzte bekommen ihr Geld nicht von der Krankenkasse ausbezahlt, sondern von der Kassen√§rztlichen Vereinigung (KV) ‚Äď f√ľr mich eine mehr als dubiose Einrichtung in diesem System und mir deshalb, sp√§ter ein eigenes Kapitel wert. Die KV verhandelt f√ľr die √Ąrzte nicht nur mit den Kassen, wie viel Geld ein Arzt f√ľr seine Leistung an uns Kassenpatienten bekommt, sondern sie bekommt das Geld von den Kassen √ľberwiesen, um es an die √Ąrzte nach einem absurden Ziffernsystem auszubezahlen! Seit ich selbst eingestiegen bin in diesen Wirrwarr von Ziffern und Buchstaben, um den Wahnsinn nachzuvollziehen, sage ich immer wieder: Dieses System ist nicht mehr vermittelbar! Kein Mensch kann sich vorstellen, wie unn√∂tig kompliziert hier verwaltet wird. Seit ich mit meinen Recherchen begonnen habe, hat sich dieses Abrechnungssystem mehrfach grundlegend ge√§ndert. Angefangen hat es mal mit P√ľnktchen, mittlerweile sind die Schreibtischt√§ter auf die tolle Idee gekommen, immer mehr Ziffern zu verwenden. Jede Behandlung muss mit einer Ziffer eingetragen werden, f√ľr die es dann eine bestimmte Summe gibt. Die zwei B√ľcher mit den entsprechenden Ziffern sind 350 Seiten dick, und erst im Oktober 2013 sind weitere Seiten dazugekommen.(…)

Fortsetzung folgt, bleiben Sie dran…..! RH

 
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Fortsetzung 4 aus meinem Buch “Der goldene Skalp”

Wer hat den Bergdoktor auf dem Gewissen?

Die Nachfahren von Albert Schweitzer gibt es heute nur noch im deutschen Fernsehprogramm. Arztserien wie ¬ęDer Bergdoktor¬Ľ, ¬ęIn aller Freundschaft¬Ľ und ¬ęFamilie Dr. Kleist¬Ľ erzielen regelm√§√üig gute Einschaltquoten. Die Serien zeigen uns die perfekten¬†√Ąrzte. Sie haben offene Ohren f√ľr ihre Patienten und Mitarbeiter, und wenn es irgendwo Probleme gibt, springen sie sofort ins Auto und rasen los. Das sind nat√ľrlich Fantasien von Drehbuchautoren. Doch irgendwie m√ľssen sie die Sehnsucht in uns nach einer heilen Welt anheizen, denn sonst w√ľrden wir nicht so oft einschalten.Wenn man nach solchen¬†√Ąrzten in der Realit√§t sucht, st√∂√üt man auf keinen Albert Schweitzer. Er war ein Arzt, f√ľr den es wichtig war, Menschen zu helfen. Nun ist aber Albert Schweitzer lange tot, und die echten Abbilder des Bergdoktors st√ľrzen gerade vom Felsen ab, auf den wir sie gehoben haben. Eigentlich genie√üen √Ąrzte seit Jahrzehnten in unserer Gesellschaft ein sehr hohes Ansehen. Ein ¬ęHerr Doktor¬Ľ zu sein, das ist mal was!Wer Menschen heilt, muss ein Menschenfreund und an sich ein guter Mensch sein. Diese Erwartungen waren sicherlich oft √ľbertrieben,und vielleicht gerade weil sie zu hoch waren, sp√ľrt man jetzt die Entt√§uschung umso st√§rker. Denn dieser solide Image-Felsen br√∂ckelt. Immer¬†√∂fter stehen¬†√Ąrzte¬†√∂ffentlich als gierig da. Die¬†√Ąrzte sind an solchen Bildern nicht unschuldig. Seit¬† Jahren diskutiere ich mit ihnen √ľber unser System. Solidarit√§t hat die Masse der¬†√Ąrzte in diesen Jahren aber herzlich wenig interessiert. Vor kurzem habe ich mit einem Arzt gesprochen, der zu mir sagte: ¬ęDas Solidarystem brauchen wir nicht. Es ist ungerecht.¬Ľ¬ęWie?¬Ľ, habe ich ihn gefragt. ¬ęUngerecht f√ľr wen? F√ľr euch √Ąrzte?¬ĽDa hat er unumwunden Ja gesagt: ¬ęIm Solidarsystem bekommen wir nicht, was wir verdienen.¬ĽSo ging es all die Jahre in meinen unz√§hligen Gespr√§chen mit¬†√Ąrzten immer nur um einen Punkt: ihre Honorare. Aber das Image br√∂ckelt nicht nur bei mir. Auch die √Ėffentlichkeit wird skeptisch. In den vergangenen Jahren haben die √Ąrzte f√ľr h√∂here Honorare demonstriert. Viele Patienten rieben sich ungl√§ubig die Augen, als die¬†√Ąrzte anfingen, sich √ľber zu wenig Geld zu beklagen. Denn der ¬ęHerr Doktor¬Ľ, so glauben viele, verdient eher gut als schlecht. Das ist Teil des Bildes,das wir von ihm haben. Auf eine Frage m√∂chte ich mich in diesem Buch aber nicht einlassen: Verdienen¬†√Ąrzte genug? Diese Neid-Debatte bringt uns nicht weiter. Aber interessant ist sie schon deshalb, weil sie entlarvt, dass das Marktdenken auch l√§ngst bei uns Patienten angekommen ist. Wir sind Schn√§ppchenj√§ger geworden, die gerne in einem Discount-Gesundheitssystem beim besten Angebot zuschlagen. Teure¬†√Ąrzte sind da schon Luxusg√ľter, und wehe, sie kosten zu viel! Um diese Patientenmentalit√§t soll es im n√§chsten Kapitel gehen.Kommen wir zur√ľck zu den¬†√Ąrzten. Auch sie haben sich dem Markt angepasst. Das System hat die Einstellung der jungen Mediziner zu ihrem Beruf und letztlich auch zu uns Patienten ver√§ndert. Ich glaube, das liegt ein St√ľck an der Ausbildung.Die Studierenden m√ľssen schnell kapieren, dass sie in der Uni nur durchkommen, wenn sie sich anpassen und die Regeln befolgen. In der Klinik als Assistenzarzt ist das sp√§ter nicht besser: Wer Karriere machen und mal Oberarzt werden will, muss vor den meisten Chef√§rzten buckeln. Und so haben sie¬†sich auch an die neue Welt angepasst, die vor ihren Augen aus dem Solidarsystem herausgebrochen worden ist. Traurig ist,dass sie sich nie dagegen gewehrt haben. Sie haben eigentlich als Erste gesehen, was da kommt. Aber sie haben stillgehalten und √ľberlegt, wie sie sich anpassen k√∂nnen. In dieser Welt ist der Menschenfreund in dem TV-Bergdoktor nur noch eine schr√§ge Fiktion. L√§ngst z√§hlt eine ganz andere Qualit√§t, um in diesem Job zu √ľberleben.¬†√Ąrzte m√ľssen Zahlen mehr lieben als Menschen. Betriebswirte, √Ėkonomen und Investoren haben den Bergdoktor l√§ngst umgebracht. (..)

Fortsetzung folgt – bleiben Sie dran, es geht uns alle an. RH

 
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Fortsetzung 3 aus meinem Buch “Der goldene Skalp”

Fortsetzung 3 aus meinem Buch ‚ÄěDer goldene Skalp‚Äú

Das habe ich jahrelang nicht erkannt, und ich habe diese √Ąrzte immer entschuldigt. Wahrscheinlich liegt das an meiner Pr√§gung als Sozialarbeiterin. Ich habe lange Jahre in der Bew√§hrungshilfe viele schwierige F√§lle betreut, an deren Lage angeblich immer etwas anderes schuld war. Und so habe ich √Ąrzte eben auch entschuldigt und ihr Verhalten gerechtfertigt, so als k√∂nnten sie bei diesem System nicht anders reagieren. Aber in Wirklichkeit sind sie selbst verantwortlich. Sie zanken sich um Honorare und Patienten.

Der Wettbewerb hat mittlerweile aus Haus-, Fach- und Kinder√§rzten Konkurrenten gemacht, die sich gegenseitig misstrauen. Da tun mir die √Ąrzte einerseits leid, andererseits bekomme ich eine riesige Wut auf sie, weil sie es eigentlich in der Hand h√§tten, das System zu ver√§ndern, aber stattdessen im Hamsterrad den Honoraren hinterher rennen. Nur die √Ąrzte und ihr Verhalten zu kritisieren w√§re zu kurz gedacht. Wehren wir uns denn als Beitragszahler? Mein Eindruck ist, dass wir schon selbst glauben, in diesem Wildwestkrimi irgendwo auf √Ėl zu sto√üen und selbst Profit aus dem System herauszuschlagen. Uns Patienten bezeichnen die Kassen seit Jahren schon als Kunden, und ich habe immer mehr das Gef√ľhl, dass diese Propaganda mittlerweile in unseren K√∂pfen Wurzeln geschlagen hat. Wir sind so geblendet und √ľbersehen, dass dieses System das Verh√§ltnis zu uns Menschen komplett ver√§ndert hat. Wir sind keine Patienten mehr, und auch unsere Gesundheit ist zweitrangig. Nach Jahren der Recherche und Kampf mache ich mir deshalb nichts mehr vor: Das Solidarsystem existiert nicht mehr. Das ist nur noch ein sozialromantisches M√§rchen, das wir uns zur Beruhigung vor dem Schlafengehen erz√§hlen.

In Wirklichkeit stehen nur noch Ruinen, und die werden St√ľck um St√ľck von denen abgetragen und verkauft, die seit Jahren auf die Geldberge unseres Gesundheitssystems aus sind. Denn wir reden hier √ľber einen wachsenden Markt! Durch den flie√üen j√§hrlich allein an Kassenbeitr√§gen ca. 250 Milliarden Euro. Plus ca. 70 Milliarden Euro, die durch Zuzahlungen und unz√§hlige Gesundheitsprodukte dazukommen. ¬†F√ľr ein St√ľck von diesem Kuchen ist jeder bereit, seinen N√§chsten gewinnbringend zu verschachern. Die Krankenkassen die Funktion√§re. Die Funktion√§re die √Ąrzte. Die Politiker die √Ąrzte. Die √Ąrzte die Patienten. Die Gesunden die Kranken. Die Kranken die Schwerkranken. Denn das neue, marktregierte System verwandelt uns alle, es macht uns krank! Wir nehmen aber gar nicht wahr, was mittlerweile aus √Ąrzten, Pflegekr√§ften, Patienten und Politikern geworden ist. Unsere Gesellschaft ist l√§ngst auch mit dem Virus des Dollar-Fiebers verseucht. R√ľckblickend sa√ü ich acht Jahre lang in einem Kinofilm, in dem sich vor meinem Auge die Ausw√ľchse der menschlichen Gier abgespielt haben. Nur dass dieser Film nicht nach zwei Stunden aus war.

Er hat bis heute nicht aufgeh√∂rt. Nach jedem Ende wartete ein neuer Abgrund. Acht Jahre Lebenszeit habe ich f√ľr diese Schmierenkom√∂die investiert, als dieses Buch entstand. Eigentlich hatte ich mir geschworen, dass nie wieder ein Thema so Besitz von mir ergreifen darf. Mein Ziel war immer ein menschlicheres Gesundheitssystem ‚Äď dort bin ich noch nicht angekommen. Unterwegs habe ich aber so viel erlebt, dass ich mich f√ľhle wie ein Container, bis zum Rand angef√ľllt mit dem Unrat dieses Systems.

Ich muss einfach die T√ľren aufklappen und das alles zu Papier bringen, sonst platze ich noch. Darum ist dieses Buch auch meine Geschichte mit dem System. Ich werde hier die Fakten aufschreiben, die mittlerweile Regale voller Ordner und Boxen in meinem Archiv f√ľllen Greenhorns. Leichte Beute. Wirklich gut kennen sich nur die aus, die dieses System gebaut. Aber auch die vielen Erlebnisse, die mehr als Fakten unserem Gesundheitssystem die Maske herunterrei√üen.

Meine Erkenntnis dabei ist: Diese gierigen Fremden, nach denen ich so lange gesucht habe, das sind wir alle. Die Gier beherrscht uns, darum ist unser krankes Gesundheitssystem nicht mehr zu heilen. Es wird immer kr√§nker und schw√§cher, und die Medikamente, die ihm als politische Reformen gespritzt werden, bringen rein gar nichts. Darum m√ľssen wir die Augen √∂ffnen! Wir haben nur zwei M√∂glichkeiten: Entweder wir √ľbernehmen als Versicherte und √Ąrzte endlich Verantwortung und starten neu. Oder wir vergessen das mit der Solidarit√§t und dem Mitgef√ľhl, verh√∂kern das letzte Tafelsilber un d finden uns damit ab, dass wir kein Miteinander mehr wollen. Dann sollten wir uns aber besser mit dieser Welt anfreunden, die ich Ihnen, werte Leserinnen und Leser, in den n√§chsten Kapiteln zeigen werde. Und lassen Sie mich jetzt schon sagen, es ist eine h√§ssliche Welt! Und sie wird immer h√§sslicher. In ihr sind wir allesamt Greenhorns und leichte beute, f√ľr diejenigen, die sich diese Welt erdacht haben. Ihr sind wir als Patienten und √Ąrzte ausgeliefert.¬†(..) Fortsetzung folgt RH

 
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Teil 2 – Fortsetzung aus meinem Buch

Teil 2 aus meinem Buch “Der goldene Skalp” Kapitel 1 – Ich war ein Greenhorn

√Ąrzte, √Ąrztinnen, Schwestern und Pfleger m√ľssen spuren. In diesem Land war ich eine Fremde.Wenige Tage sp√§ter klingelte es bei uns, und vier √Ąrzte standen vor der T√ľr. Mein Hausarzt hatte drei Kollegen mitgebracht, und bis sp√§t in die Nacht sa√üen sie mit uns am gro√üen Tisch im Esszimmer und klagten ihr Leid mit dem Gesundheitssystem. So h√∂rte ich zum ersten Mal W√∂rter wie ¬ęRegelleistungsvolumen¬Ľ, ¬ęFallpauschale¬Ľ oder ¬ęRegress¬Ľ, und die √Ąrzte erz√§hlten von v√∂llig absurden Abrechnungen. Ich war entsetzt: Jeder Arzt bekommt im Quartal pro Patient eine bestimmte Summe. Egal, wie oft der Patient in seine Praxis kommt. Als die vier gegangen waren, sagte ich zu meinem Mann: ¬ęEntweder ich lese die falsche Zeitung, oder die vier haben uns die letzten Stunden f√ľr dumm verkaufen wollen. Oder sie sind einfach nicht ganz richtig im Kopf!¬Ľ Von dem, was die mir da erz√§hlten, hatte ich noch nie etwas geh√∂rt. Es war f√ľr mich wie eine Fremdsprache, in der sie sich unterhalten haben. Ich wollte wissen: Welcher Hornochse kommt auf die Idee, ein solches System, von dem 90 Prozent der Bev√∂lkerung abh√§ngig sind, so zu verkomplizieren, dass es niemand mehr versteht? Also bin ich bereits einige Wochen sp√§ter in den Bus eingestiegen und mitgefahren. Ich wollte k√§mpfen! Denn eine Welt ohne Haus√§rzte war keine, in der ich leben wollte. Mein Albtraum war, dass die freien niedergelassenen √Ąrzte weggespart werden und Handelsvertreter der Gesundheitskonzerne ihren Platz einnehmen. Die haben zwar auch Medizin studiert, sind aber f√ľr mich keine √Ąrzte mehr, weil es ihnen nicht um unsere Gesundheit zu gehen hat, sondern darum, den Gewinn ihrer Arbeitgeber zu steigern. Das Ende der Busreise war ein Debakel.Die √Ąrztinnen und √Ąrzte wollten, dass ihre Sorgen geh√∂rt w√ľrden. Stattdessen wurden ihre Redebeitr√§ge von einem anwesenden Politiker, √ľbrigens selbst Arzt, als ein Benehmen wie ¬ęRotz am √Ąrmel¬Ľ betitelt. Es wird keine Hilfe kommen. Das wurde mir damals klar. Also wollte ich k√§mpfen. Ich wollte diesen Fremden finden, der den √Ąrzten im Nacken sitzt und sie zwingt, ihre Patienten abzuspeisen. Ich wollte nicht, dass er unser Gesundheitssystem mit Haut und Haaren verschlingt. Also drehte ich jeden Stein um, ihn zu finden und in die Ecke zu treiben. Ich telefonierte, recherchierte, schrieb B√ľcher, gr√ľndete eine B√ľrgerinitiative und mietete f√ľr eine Demo das Olympiastadion in M√ľnchen. Ich wusste, dass Patienten und Haus√§rzte gemeinsam f√ľr das Gesundheitssystem aufstehen und es im Schulterschluss verteidigen m√ľssen. Sonst w√ľrde es niemand machen. Ich hatte immer geglaubt, dass √Ąrzte und Patienten nichts mehr wollen als eine gute Gesundheitsversorgung erhalten. Aber ich war noch immer ein Greenhorn. Und ich musste die Wahrheit schmerzhaft kennen lernen: Es gibt keinen Schulterschluss und kein Mitgef√ľhl mehr. Die √Ąrzte nutzten mein Engagement und meine Wut f√ľr ihre Zwecke aus. In all den Jahren ging es der Masse der √Ąrzte nie darum, die Systemfehler zu beheben; sie h√§tten die Macht dazu! Aber sie haben sich diesem System angepasst und sich eingerichtet. Es ging immer nur um die Honorare und nie um das, wof√ľr ich eigentlich angetreten bin. Ein √Ąrztefunktion√§r hat mir mal h√∂hnisch geraten, ich solle mich besser nicht so f√ľr die √Ąrzte aus dem Fenster lehnen. Denn eins sei sicher: Egal, wer der Schar vorweglaufe, er m√ľsse nur einen Hunderteuroschein hochhalten und die √Ąrzte w√ľrden blind hinterherlaufen. Egal in welche Richtung. Damals habe ich mich √∂ffentlich mit dem Funktion√§r angelegt, heute muss ich ihm leider recht geben: F√ľr die gro√üe Masse der √Ąrzte stimmt das.

Fortsetzung folgt Рbleiben Sie dran wenn Sie mehr wissen möchten! RH

 
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Ver√∂ffentlichung meines Buches “Der goldene Skalp” in Fortsetzungen Teil 1

Anl√§sslich des 10 j√§hrigen Jubil√§ums meiner Webseite www.patient-informiert-sich.de” ver√∂ffentliche ich eines meiner B√ľcher zum Gesundheitssystem in Fortsetzungen ab heute f√ľr die breite √Ėffentlichkeit, hier auf meinem Blog. 7.April 2017 RH

Teil 1

Renate Hartwig

Der goldene Skalp

Wie uns die Machenschaften der Gesundheitsindustrie

das Fell abziehen

¬ęWer wagt, gewinnt ‚Äď deshalb wage ich weiter.¬Ľ RH

Die Autorin

Renate Hartwig, geboren in Lindau, urspr√ľnglich Sozialarbeiterin,

ist heute Publizistin und Bestsellerautorin. Einer breiten √Ėffentlichkeit wurde Hartwig durch ihre kritischen B√ľcher √ľber ¬ęScientology¬Ľ bekannt, die sie schrieb, w√§hrend sie sich mutig gegen diese Organisation einsetzte. Mit demselben Engagement k√§mpft sie f√ľr ein Gesundheitssystem, in dem der Mensch und nicht der Mammon im Mittelpunkt steht. Sie stellt sich gegen die, wie sie sagt, von ¬ęKapitalinteressen¬Ľ dominierte Gesundheitspolitik. Die Art, wie sie seit Jahren gegen mafi√∂se Strukturen k√§mpft, findet in weiten Kreisen Anerkennung.

Vorwort

Weshalb dieses Buch? Habe ich nicht schon alles aufgeschrieben? Nein!¬†8 Jahre lang sa√ü ich in der ersten Reihe der Schmierenkom√∂die, die sich ¬ęunser Gesundheitssystem¬Ľ nennt. Ich kenne das miese Programm. Jetzt ist es Zeit f√ľr eine letzte Warnung. Ich will aus meinem Herzen keine M√∂rdergrube machen. Deshalb dieses Buch.

Renate Hartwig, April 2014

Kapitel 1   Die Wut eines Greenhorns

Ich war ein Greenhorn, eingeklemmt in den Sitz eines Reisebusses, auf meinem Weg in eine neue Welt. Greenhorns waren M√§nner und Frauen, die in ein unbekanntes Amerika aufbrachen, um ein neues Leben zu beginnen. Sie waren unerfahren und hatten keine Vorstellung von dem, was sie hinter dem Ozean erwartete. Sie waren perfekte Opfer f√ľr die Spie√ügesellen, die das raue Leben im neuen Land schon kannten. Die nutzten ihre Unerfahrenheit aus und benutzten sie f√ľr ihre Pl√§ne. Es f√§llt mir nicht leicht, mir das einzugestehen: Aber genauso ein Greenhorn war ich auch. Und lange habe ich die Wahrheit nicht gesehen. Vor 2007 begann meine Reise. Mit dem Bus fuhr eine Gruppe Haus√§rzte nach N√ľrnberg zu einem Treffen, bei dem sie richtig Dampf ablassen wollten. Sie waren w√ľtend und verzweifelt. √úberall um mich herum klagten M√§nner und Frauen √ľber ihre Situation. Sie schimpften und fluchten √ľber ein Gesundheitssystem, in dem sie Gefangene bei Wasser und Brot waren. Aber keine √Ąrzte mehr, die gerne Patienten behandelten. Sie hatten Angst um ihre Zukunft, denn die Entscheider hatten sie an der Kehle gepackt und dr√ľckten ihnen die Luft ab. Die Honorare waren schlecht, und was ich in diesem Bus h√∂rte, machte mir Sorgen: Viele Existenzen und Praxen standen vor dem Ende. Eine Welt ohne Haus√§rzte? Keine, in der ich leben wollte. So lange ich mich erinnern kann, hatte ich nie negative Erfahrungen mit √Ąrzten gemacht. Begegnungen mit ihnen hatte ich genug: Ich wei√ü noch heute, wie mein Kinderarzt, Dr. Wagner, ausgesehen hat. Graue Haare, f√ľr mich als Kind schien er riesengro√ü. Ja, er kam mir immer vor wie ein guter Riese. Wenn mir etwas wehtat, dann konnte er das wegzaubern. Ich konnte als Kind nicht verstehen, warum andere Kinder im Wartezimmer weinten und Angst hatten vorm Herrn Doktor. Aber es gab noch andere wichtige √Ąrzte f√ľr mich. Mein Vater war in meiner Kindheit schwer krank, und unser Hausarzt, Dr. Euler, kam immer zu uns nach Hause und hat ihn hervorragend betreut. Au√üerdem hat unsere ganze Familie meine kranke Mutter im Alter mit Unterst√ľtzung unseres damaligen Hausarztes daheim gepflegt. Dazu kamen Schwangerschaften, Geburten und nat√ľrlich Krankheiten. Alles waren Momente, in denen ich auf √Ąrztinnen und √Ąrzte angewiesen war und viele kennengelernt habe. Sie haben immer das erf√ľllt, was ich von ihnen erwarte: vertrauensvolle, verl√§ssliche Partner zu sein. Sie haben sich Zeit genommen, zu verstehen und zu helfen. 2007 √§nderte sich alles. Da sa√ü ich mit meinem rauen Hals im Sprechzimmer meines Hausarztes. Ich war allein ‚Äď der Doktor war kurz raus zum Telefonieren gegangen. Pl√∂tzlich bewegte sich das Bild auf seinem Computerbildschirm, und ein breiter roter Streifen erschien. ¬ęDie Behandlungszeit f√ľr diesen Patienten ist abgelaufen¬Ľ, leuchtete da. Ich war ziemlich schockiert. Bisher gab es f√ľr mich in diesem Zimmer nur den Arzt und mich. Aber auf einmal hatte ich das Gef√ľhl, als w√ľrde ein Fremder zwischen uns sitzen und bestimmen, dass ich jetzt zu gehen h√§tte. Aber ich konnte diesen Fremden nicht sehen und fragte mich: Wer entscheidet hier eigentlich, wie lange der Arzt mit mir reden darf? Ich wollte das verstehen, und als der Arzt zur√ľckkam, habe ich ihn sofort auf dieses Laufband angesprochen. Er war ziemlich √ľberrascht, es passte ihm nicht, dass ich den Hinweis auf seinem Bildschirm bemerkt hatte, und er sagte nur: ¬ęAch wissen Sie, das ist das System.¬ĽIch wollte, dass er mir das erkl√§rt, aber er meinte: ¬ęDazu reicht mein Budget nicht!¬Ľ Ich war irritiert ‚Äď bisher hatte ich nicht geh√∂rt, dass der Arzt f√ľr mich ein Budget hat. Bis dahin war ich immer voll Vertrauen zum Arzt gegangen, aber die Minuten in diesem Behandlungszimmer waren f√ľr mich wie ein Schock. Es war der Aufbruch in eine neue Welt, von der ich wenige Augenblicke vorher im Wartezimmer noch keinen blassen Schimmer hatte. Eigentlich ist das Bild von der neuen Welt ziemlich absurd, denn der Irrsinn dieses Gesundheitssystems trifft uns schon bei Lappalien wie einem Kratzen im Hals. Eigentlich sollten wir es deshalb kennen wie den Weg zum Hausarzt. So habe ich auch gedacht, dass ich eine Ahnung von diesem System h√§tte. Ich habe immer geglaubt, dass wir mit unseren Kassenbeitr√§gen ein Solidarsystem finanzieren, in dem der Gesunde f√ľr den Kranken zahlt. In dem Kassen das Beitragsgeld zum Wohle der Patienten verwalten und das nur zu dem einen Zweck existiert: im Krankheitsfall den Menschen mit den notwendigen Mitteln zu helfen. Damals wurde mir aber klar, dass wir f√ľr das ¬ęSystem¬Ľ eine v√∂llig neue Landkarte brauchen. Ich merkte zum ersten Mal, dass ich ein Greenhorn war. Zwar habe ich eine Versichertenkarte in meinem Geldbeutel, bin also B√ľrgerin des Landes ¬ęGesundheitssystem ¬Ľ, aber ich wurde wie alle anderen Kassenpatienten sch√∂n dumm gehalten. Denn ohne unser Wissen wurde die Gesundheitsversorgung umgepfl√ľgt und neu gestaltet, so dass ein g√§nzlich wildes und unentdecktes Land entstanden ist. In diesem Land herrschen nicht mehr Solidarit√§t, Mitgef√ľhl und Menschenw√ľrde. In diesem Land schwingen die Betriebswirte, √Ėkonomen und Investoren die Gewinnpeitsche..(..)

Bleiben Sie dran, lesen Sie weiter, wie unser Gesundheitssystem tickt, Fortsetzung folgt RH

 
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6. April 2017 Рzum heutigen Jubiläum 10 Jahre Patient informiert sich

Heute vor genau 10 Jahren am 6. April 2007 sa√ü ich in einem Omnibus in Richtung N√ľrnberg zu einer Protestveranstaltung der √Ąrzteschaft in der Meistersingerhalle. Zeitgleich wurde heute vor 10 Jahren unsere¬†Webseite patient informiert sich.de mit¬†meiner ersten Pressemitteilung zu dem Thema online geschalten.

http://www.patient-informiert-sich.de/aktuelle_meldungen/archiv.php?akt_Jahr=2007

Wer auf der Seite unter Archiv geht, kann sich nicht nur √ľber dutzende von Artikeln informieren, sondern kann den Lauf der letzten 10 Jahre erkennen.Das Ziel dieser Seite und meinem Blog war und ist, eine breite Front von informierten B√ľrgerpatienten, die sich einmischen! Zum heutigen Jubil√§um habe ich mir dazu noch etwas besonderes ausgedacht. Ich werde ab 7.4.2017 mein Buch “Der goldene Skalp” nach und nach in Fortsetzungen, als bleibendes Nachschlagwerk √ľber ein Gesundheitsystem, in dem der Mensch nach und nach zur Ware wird, hier auf meinem Blog ver√∂ffentlichen. Ein Blick hinter die Kulissen,¬†die mich im Laufe der Jahre meiner Recherchen ersch√ľtterten, erschreckten und vor allem ern√ľchterten, wie dieses¬†System √ľber Lug und Betrug zusammengehalten wird!

Die Ver√∂ffentlichung in Fortsetzungen, eines meiner B√ľcher zum Gesundheitssystem ¬†ist anl√§sslich des 10 j√§hrigen Jubil√§ums meiner Webseite “Patient informiert sich” mein¬†Geschenk an die √Ėffentlichkeit! Renate Hartwig

 
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Pflegetage in Berlin – viele Worte und wer handelt?

Unser Gesundheitsminister¬†Herr Gr√∂he, t√∂nt seit seinem Amtsantritt 2013, es gehe ihm in allen Entscheidungen immer um uns Patienten.¬†Im Moment sind in Berlin die Pflegetage. Vielleicht sollten wir uns als¬†Gesellschaft¬†mehr daf√ľr interessieren, was die umstrittene √Ąnderung der Pflegeausbildung¬†f√ľr uns im Ernstfall bedeutet? Immerhin soll diese in dieser Legislaturperiode noch verabschiedet werden! Es geht, laut Gr√∂he,¬†um eine sehr umfassende Ausbildungsver√§nderung, gegen die es berechtigten Widerstand gibt!

Gr√∂he strebt eine generalistische Ausbildung f√ľr die verschiedenen Bereiche der Pflege an.¬†Die Anspr√ľche werden gesenkt, die Belastung der Pflegerinnen und Pfleger¬†erh√∂ht, deren¬†geringes Einkommen interessiert keinen. Genauso wenig wie die Umst√§nde f√ľr genau die Personengruppe, f√ľr die Gr√∂he sich doch – Medienwirksam – “stark” macht!

Deshalb hier ein Link in dem eine¬†Altenpflegerin aus der Praxis sagt, was los ist im Pflegebereich!¬†Ich m√∂chte¬†¬†ein weiteres mal,¬†allen Personen im Pflegebereich t√§tigen,¬†meine absolute Hochachtung aussprechen!¬†Gleichzeitig¬†bin ich entsetzt¬†√ľber all die Klugschw√§tzer, die in dem Bereich¬†Pflege vom gr√ľnen Tisch aus, ohne Ahnung der Wirklichkeit,¬†Entscheidungen treffen, die sie selbst nie¬†betreffen!¬†Auch in diesem Fall hei√üt Einmischen ist B√ľrgerpflicht! RH

http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/morgenmagazin/videos/FN__moma_Scheidtweiler_3003nl_8000-100.html

 
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Wurde Karneval verlängert?

Karneval ist doch vorbei oder!? Wie es aussieht, gab es aber eine weltweite Verl√§ngerung! T√§glich h√∂ren und sehen wir Politiker die sich verkleiden als aufrechte Demokraten. Pr√§sidenten die wie K√∂nige agieren und Diktatoren, die stolz in die B√ľtt steigen und der Menschenverachtung eine Narrenkappe aufsetzen. Und wer sind wir? Wir sind die maskierten Zuschauer im politischen Ballsaal. Klatschen, obwohl wir die Darsteller auf der B√ľhne auspfeifen m√ľssten. Lachen obwohl es zum Heulen ist. Schweigen obwohl wir Schreien m√ľssten. Passen uns an und sagen zu oft…Helau, anstatt Pfui Teufel.
Dieser verl√§ngerte Karneval findet ebenso bei den Spitzenfunktion√§ren in den Krankenkassen und Kassen√§rztlichen Vereinigungen statt. Und hier sind wir alle auch Zuschauer.¬†Egal ob Patienten oder √Ąrzte, Krankenschwestern oder Therapeuthen, wir schauen zu anstatt wir aufstehen und uns solidarisieren. Wir klatschen Beifall wenn uns Systemfehler ausnahmsweise nicht treffen. Wir suchen Schuldige und erkennen nicht, wir sind¬†mit schuld¬†an¬†diesen¬†Systemfehlern. Warum? Da uns¬†der¬†Gedanke: Das ist halt so, da kann man nichts machen, leitet.¬†Und genau das ist falsch. Mit dieser Haltung betonieren wir den Boden, auf dem die Schilder aufgestellt wurden und werden, die uns zu entm√ľndigten Bittstellern machen.
Allein¬†S√§tze¬†wie:¬†”Die Kassen erwirtschafteten einen √úberschuss” oder “Krankenkassen erzielten √úberschuss” sind falsch! Kassen haben unsere Beitragsgelder zu verwalten! Wie und wer von dieser Art erwirtschaften profitiert und wer darunter leidet, wird gar¬†nicht thematisiert!
Wer krank ist, oder sogar chronsich krank,¬†hat allein im vergangenen Jahr erlebt, wie die Zuzahlungen f√ľr Medikamente hoch geschossen sind. Viele haben es erst bemerkt, als sie angefangen haben, in der Apotheke einen Kassenzettel zu verlangen. Leider macht das auch fast niemand. Da stand dann aufeinmal zu den zus√§tzlichen Zusatzkosten ein extra Betrag. Bei R√ľckfragen kommt dann oft die Aussage: Das ist eben so, wir k√∂nnen nichts machen, fragen sie ihre Kasse. Ok, gute Idee, wenn alle die diese Kassenwillk√ľrmassnahmen erleben, selbst oder deren Umfeld, massiv in den Kassen vorstellig werden, w√§ren wir schon weiter!
Wer mich jetzt fragt, was soll ich denn dagegen machen?
1) Nicht alles als gegeben hinnehmen, sich informieren
2) Mehr hinterfragen, um eine Antwort √ľber den Entscheider der Massnahmen zu bekommen
3) Sich von Kassenmitarbeitern nie abwimmeln lassen
4) Bei Antworten ” steht im Gesetz” oder ” Ist gesetzlich k√∂nnen wir nichts machen”
den Gesetzestext anfordern – nicht nachgeben. Auf das Recht nach Information bestehen.
Meine Erfahrung: Viele Aussagen von wegen es gebe dazu Gesetze, sind falsch!
5) Andere informieren, sich untereinander austauschen
Fazit: Selbstbewusste, informierte B√ľrger – und B√ľrgerinnen lassen sich nicht so leicht an der Nase herum f√ľhren.
Und genau da beginnt der Abbau der Denke – da kann man nichts machen! Man kann, glauben Sie mir, man kann!
Renate Hartwig

 
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Krankenkassen – Alltagsgeschichten

Allein am vergangenen Wochenende bekam ich 14 Anfragen zum Thema “Kasse verweigert Leistung.” Die Kontakte kommen √ľberwiegend¬†√ľber E-Mail in der √ľblichen Tonart. “Frau Hartwig¬†brauche ihre Unterst√ľtzung.” Oder “Die Kasse verweigert meiner¬†Oma seit Monaten¬†notwendige Hilfsmittel. Was k√∂nnen wir machen?” Und dann gibt es Situationen, bei denen ich tief durchatmen muss, um nicht auf den Tisch zu hauen.

Da sitze ich mit meinem Mann im¬†Cafe und¬†am¬†Nebentisch sitzen drei junge Frauen und unterhalten sich un√ľberh√∂rbar. Eine kam von der Apotheke und¬†beschwerte sich √ľber hohe Zuzahlungen f√ľr Medikamente. Aus ihrem kleinen Rucksack nahm sie¬†ihre Geldb√∂rse und legt den Kassenbon als Beweis auf den Tisch. Jeder der Damen¬†gab dazu einen Kommentar, wobei das Wort “unversch√§mt” die harmlose¬†Variante der eigenen Meinung war. Kurze Zeit sp√§ter¬†fragte eine, wo sie den¬†Rucksack gekauft hat. Antwort: “Bonus von meiner Krankenkasse!” So, da ist er, der¬†Moment bei dem entweder bei mir Schnappatmung einsetzt, da ich am liebsten auf den Tisch¬†hauen w√ľrde. Am Blick meines Mannes sah ich, er¬†ahnte¬†was ich denke und am liebsten machen w√ľrde. ¬†Also das kann ich doch nicht so stehen lassen. Ein ganzes Jahrzehnt versuche ich √ľber Publikationen und Vortr√§ge das Bewusstsein zu sch√§rfen, um genau hinzusehen, was da abgeht in unserem Gesundheitssystem, speziell in den Krankenkassen. Und dann das!! Die Bestuhlung in diesem Cafe war eng. Es war jedem klar, der Nebentisch h√∂rt alles mit. Manchmal trafen sich auch unsere Blicke. Beim¬†Gehen legte ich den Damen meine Visitenkarte mit der Webadresse von meinem Blog auf den Tisch. ” Hier k√∂nnen Sie nachlesen, was Ihre Zuzahlung mit Ihrem Rucksack zu tun hat!”¬† Ob sie es getan haben, keine Ahnung. Nur so entging ich der Schnappatmung und auf den Tisch habe ich nur gedanklich gehauen.

Denn das Geld, das uns die Kassen als Bonus oder Rabatt “schenken”, geht von dem Geld f√ľr die Behandlung der Kranken ab. Die Kassen erwirtschaften ja keine zus√§tzlichen Gelder mit dem Verkauf von¬†√Ąpfeln oder Klosterfrau Melissengeist! Sie verpulvern stattdessen Millionen f√ľr Werbung, um uns die Lockangebote √ľberhaupt erst schmackhaft zu machen. Und auch in anderen Bereichen schneiden sie sich die Pr√§mien nicht durch Sparsamkeit etwa aus dem Fleisch. Die Kassen¬†sind alles andere als Sparf√ľchse, wenn es um ihre Geh√§lter oder Geb√§ude geht. Nein, das Geld kommt aus der einzigen Quelle, aus der sie sich frei bedienen¬†k√∂nnen: Unserem Beitragsgeld!

Renate Hartwig

 
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Krankenkassen und Werbung

Heute beginnt bereits der zweite Monat im Jahr 2017. Und wir werden bis zu der Bundestagswahl im September laufend h√∂ren, wie wichtig wir B√ľrger und B√ľrgerinnen, den Kandidaten der Parteien sind. Genau aus diesem Grund, werde ich nacheinander, die F√§sser aufmachen, von denen ich weiss, wie sie bewusst in den letzten Jahren verschlossen wurden. Es vergeht kein einziger Tag, an dem mir nicht v√∂llig absurde Entscheidungen¬†von¬†einer Krankenkasse¬† gegen√ľber einem Erkrankten, auf den Schreibtisch flattert. Es geht, bei dem zu √∂ffneten Fass, um uns gesetzliche¬†Krankenkassenversicherte der GKV!

Da es den meisten gesunden Beitragszahlern gar nicht klar ist, was so alles in der schr√§gen Welt der Krankenkassen abgeht,¬†spreche ich jetzt alle an,¬†in der Funktion als Finanziers des Gesundheitswesens! Hallo, wir reden hier von j√§hrlich ca. 240 Milliarden ‚ā¨, die wir¬†¬†als Beitr√§ge¬†in die gesetzlichen Krankenkassen einzahlen. Ohne auch nur einen Hauch von Nachvollziehbar, √ľber die Verteilerstr√∂me mitzubekommen! Beginnen wir mit der Werbung. Jeder von uns sieht sie, h√∂rt sie und liest sie, die Werbungen der Kassen. Gern w√ľrde ich einmal¬†¬†jemand¬†kennen lernen, der gefragt wurde, ob er die Werbung, die er mitfinanziert, genehmigt hat? Sorry, habe vergessen wie es in den Spitzen dieser Zunft geh√§ndelt wird! Zwangsmitglieder haben nicht mitzuentscheiden, sondern lediglich zu zahlen, auch nicht nachzufragen. Und auf keinen Fall, die Vorg√§nge in den Verwaltungst√ľrmen der Kassen zu hinterfragen. Kurz um: Mitdenken nicht erw√ľnscht! Und genau dazu rufe ich jetzt einmal auf. Weil sich viel zu viele gar nicht vorstellen k√∂nnen, wie dieser aufgeblasene Mamutapperat Krankenkasse, sich¬†unsere Beitragsgelder krallt um sie f√ľr ihren Machterhalt einzusetzen! Als Beispiel¬†beginnen wir heute einmal¬†mit der¬†AOK. Die AOK Beitragszahler¬†k√∂nnen sich auf die Schulter klopfen. Immerhin sind sie die Hauptsponsoren der Handball Nationalelf. Seit einem Jahr flie√üen Millionen an Beitr√§gen allein¬†in diese Richtung. Nahezu 450 tsd. Ergebnisse¬†¬†tauchen im Internet, in der gr√∂√üten Suchmaschine, allein bei AOK Werbung¬† auf¬†!! Laut¬†deren Eigenwerbung¬†”betreut” die AOK fast ein Drittel der Bev√∂lkerung. Betreut? Da ist sie wieder die Redefinition der Begriffe. Die AOK kassiert, wie¬†alle anderen Kassen Beitr√§ge und hat als K√∂rperschaft √∂ffentlichen Rechts nur den Auftrag diese zu verwalten. Sonst nichts!!!¬†Dank politischer Fehlentscheidungen wurde aus den Kassen ein Machtapperat, dem wir Beitragszahler als Bittsteller gegen√ľber stehen! Dazu geh√∂rt z.B. Oma Krause mit ihrem wundgesessenen Po auf dem kaputten Spezialkissen,um dass sie seit langem f√ľr ein Neues bettelt, Herr Ludwig mit seinen durchn√§ssten Einlagen, da ihm die¬† eingeteilten von der Kasse¬† nicht langen.¬†Der behinderte Max, dem die Physiotherapie verweigert wird. Oder Herr Werner,der sich die Zuzahlung nicht leisten kann und nicht mehr lacht, damit man seine Zahnl√ľcke¬† nicht sieht. Ob die sich tats√§chlich gut betreut vorkommen? Nicht zu vergessen, die √Ąrzte und √Ąrztinnen dieser Personen, die aufgrund dieses eingef√ľhrten Budget¬† – Irrsinns, sich bei jedem Rezept, bei jeder Behandlung auf d√ľnnes Eis begeben. Denn sie m√ľssen einkalkulieren,¬†f√ľr¬†¬†jede ¬†ihrer¬† medizinische Entscheidung in Regress genommen zu werden.¬†All diese Probleme¬†verhallen ungeh√∂rt. Jedem der jetzt (auch nur gedanklich) an der Tastatur “geht mich nichts an” eingeben will, sag ich: Vorsicht, das gilt¬†nur solange es Dich nicht trifft. Sp√§testens dann erkennst Du sie, die Systemfehler und vor allem, dass Du es bist,¬†¬†die¬† sie ausbaden. RH

 
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