Fortsetzung 9 aus meinem Buch “Der goldene Skalp”

(‚Ķ) Sp√§ter habe ich auch von anderen √Ąrzten aus ganz Deutschland erfahren, dass sie diese Serviceangebote in Anspruch genommen haben. Sie erz√§hlten mir, dass die Damen von der Pharmafirma keinen Hehl daraus gemacht h√§tten, was sie als Gegenleistung erwarteten: eine Bevorzugung von Medikamenten ihres Unternehmens bei der Verschreibung. Sp√§ter wollte ich mit ein paar √Ąrzten √ľber diese Gef√§lligkeitsdienste und deren Folgen diskutieren. Nicht nur, dass es mehr als m√ľhsam war, die damit verbundene Abh√§ngigkeit und Erpressbarkeit zu thematisieren. Auch die vorgebrachten Gegenargumente lie√üen meinen Adrenalinspiegel bedenklich in die H√∂he steigen. In der Runde wurde ich als personifizierte Kassenpatientin angesehen, zwar eine, die sich auskennt, der man aber trotzdem den ganzen Frust √ľber dieses √§rztliche Problemfeld ¬ęKassenpatient¬Ľ an den Kopf werfen kann. Zum Beispiel, dass dieses Aufsp√ľren von versteckten Goldnuggets in der Abrechnung nichts anderes sei, als sich das zu holen, was ihnen zustehe! Als w√§re ich verantwortlich f√ľr die √úberb√ľrokratisierung in den Praxen und den √§rztlichen Kassenfrust. Zum Schluss warf ich ihnen meine ganze Wut an den Kopf: ¬ęF√ľr mich blitzt bei diesen Gef√§lligkeitsdiensten das korrumpierende System mit all seinen Widrigkeiten bis hin zur √§rztlichen Erpressbarkeit durch!¬Ľ Danach gingen wir getrennte Wege, und die Herren mussten den Rest des Abends allein verbringen. Das ist nur ein Beispiel f√ľr die Gesch√§ftsmodelle, die sich aus dieser wuchernden B√ľrokratie entwickeln. Was mich √§rgert, ist, dass wir durch unsere Kassenbeitr√§ge nicht nur diesen Wahnsinn finanzieren, sondern mittlerweile unser Beitragsgeld an Firmen flie√üt, die √Ąrzten diesen Verwaltungsapparat erkl√§ren m√ľssen. Ich m√∂chte aber nicht pauschal von ¬ęden¬Ľ √Ąrzten sprechen. In Deutschland gibt es ca. 140.000 niedergelassene Individualisten. Jeder versucht auf seine Art und Weise, in dem System seinen Schnitt zu machen. Ein anderer Arzt erz√§hlte mir, dass er nur eine bestimmte Zahl von Kassenpatienten behandelt. Grund: Die Kassenpatienten dienen als festes, gesichertes Einkommen. Ist die Zahl erreicht, die seine fixen Kosten abdeckt, nimmt er keine neuen mehr auf. Seinen profitablen Umsatz macht er, so seine Erkl√§rung, mit sogenannten IGeL- Leistungen (individuellen Gesundheitsleistungen), also Behandlungen, die nicht von den Kassen honoriert werden, sondern von den Patienten selbst bezahlt werden m√ľssen. Und mit Privatpatienten! Wenn Sie auf dem Land wohnen, dann k√∂nnen Sie mal √ľberlegen, was es bedeutet, wenn der Arzt in Ihrem Dorf so arbeitet. Wenn Sie leider als der Patient in die Praxis kommen, der √ľber dem Limit der fixen Kostenabdeckung liegt, sind Sie der Depp. Dann k√∂nnen Sie schon mal √ľberlegen, wo Sie in Ihrer Umgebung die n√§chste Praxis finden. Der Kassenpatient ist so nur noch Mittel zum Zweck. Ein Fall, um die Existenz zu sichern. Ich habe in den Jahren viele Dutzend √Ąrzte kennen gelernt, von denen ich mich nicht behandeln lassen w√ľrde. Schon beim ersten Blickkontakt hatte ich das Gef√ľhl, dass sie im Patienten nur das Geld sehen, das sie verdienen k√∂nnen. Das ist wie bei diesen alten Registrierkassen, die immer ¬ęTschitsching!¬Ľ gemacht haben, wenn die Geldschublade aufsprang. Und in diesen Arztk√∂pfen macht es dauernd auch nur ¬ęTschitsching!¬Ľ und noch mal ¬ęTschitsching!¬Ľ. (..)

Fortsetzung folgt  -

 
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