Fortsetzung Teil 5 aus meinem Buch “Der goldene Skalp”

Abrechnen in den Weihnachtsferien

In den Weihnachtsferien habe ich eine Ă„rztin, die ich gut kenne, in ihrer Praxis besucht. Dieser Januar war traumhaft warm, und die Sonne strahlte am Himmel. Kein Vergleich zum dĂĽsteren Vorjahr. Viele andere haben die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester zum Entspannen genutzt. Sie aber saĂź in ihrer Praxis vor ihrer Quartalsabrechnung. Als sie mir die TĂĽr öffnete und ich eintrat, war es wie ein Sprung vom helllichten Tag in die Nacht. Ăśberall brannte Licht. Die Rollos waren wie immer bei geschlossener Praxis heruntergelassen. Wären sie oben, wĂĽrden unter jeder Garantie Patienten klingeln. Die Ă„rztin saĂź vor ihrem Computer, auf dem Schreibtisch stapelweise Papier, und ĂĽberprĂĽfte die Unterlagen von Patient zu Patient. Das sind nicht wenige, die sie mit ihren beiden Kollegen betreut. «Das ist doch Schikane!», sagte ich zu ihr. «Die Leute, die sich diesen bĂĽrokratischen Oberschmarren hier ausgedacht haben, fahren jetzt irgendwo Ski, liegen in der Sonne, und du sitzt hier und kontrollierst jede einzelne Zahl und jeden einzelnen Buchstaben von dem zu Ende gehenden Quartal.”

Sie meinte, dass ich schon recht hätte. «Aber was soll ich machen? Ich muss hier akribisch schauen, dass ich nichts vergesse und nirgendwo ein Zahlendreher drin ist.» Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Zahlendreher? Dazu muss ich ein paar Takte erklären. Die niedergelassenen Ă„rzte bekommen ihr Geld nicht von der Krankenkasse ausbezahlt, sondern von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) – fĂĽr mich eine mehr als dubiose Einrichtung in diesem System und mir deshalb, später ein eigenes Kapitel wert. Die KV verhandelt fĂĽr die Ă„rzte nicht nur mit den Kassen, wie viel Geld ein Arzt fĂĽr seine Leistung an uns Kassenpatienten bekommt, sondern sie bekommt das Geld von den Kassen ĂĽberwiesen, um es an die Ă„rzte nach einem absurden Ziffernsystem auszubezahlen! Seit ich selbst eingestiegen bin in diesen Wirrwarr von Ziffern und Buchstaben, um den Wahnsinn nachzuvollziehen, sage ich immer wieder: Dieses System ist nicht mehr vermittelbar! Kein Mensch kann sich vorstellen, wie unnötig kompliziert hier verwaltet wird. Seit ich mit meinen Recherchen begonnen habe, hat sich dieses Abrechnungssystem mehrfach grundlegend geändert. Angefangen hat es mal mit PĂĽnktchen, mittlerweile sind die Schreibtischtäter auf die tolle Idee gekommen, immer mehr Ziffern zu verwenden. Jede Behandlung muss mit einer Ziffer eingetragen werden, fĂĽr die es dann eine bestimmte Summe gibt. Die zwei BĂĽcher mit den entsprechenden Ziffern sind 350 Seiten dick, und erst im Oktober 2013 sind weitere Seiten dazugekommen.(…)

Fortsetzung folgt, bleiben Sie dran…..! RH

 
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