Veröffentlichung meines Buches “Der goldene Skalp” in Fortsetzungen Teil 1

Anlässlich des 10 jährigen Jubiläums meiner Webseite www.patient-informiert-sich.de” veröffentliche ich eines meiner BĂĽcher zum Gesundheitssystem in Fortsetzungen ab heute fĂĽr die breite Ă–ffentlichkeit, hier auf meinem Blog. 7.April 2017 RH

Teil 1

Renate Hartwig

Der goldene Skalp

Wie uns die Machenschaften der Gesundheitsindustrie

das Fell abziehen

«Wer wagt, gewinnt – deshalb wage ich weiter.» RH

Die Autorin

Renate Hartwig, geboren in Lindau, ursprĂĽnglich Sozialarbeiterin,

ist heute Publizistin und Bestsellerautorin. Einer breiten Öffentlichkeit wurde Hartwig durch ihre kritischen Bücher über «Scientology» bekannt, die sie schrieb, während sie sich mutig gegen diese Organisation einsetzte. Mit demselben Engagement kämpft sie für ein Gesundheitssystem, in dem der Mensch und nicht der Mammon im Mittelpunkt steht. Sie stellt sich gegen die, wie sie sagt, von «Kapitalinteressen» dominierte Gesundheitspolitik. Die Art, wie sie seit Jahren gegen mafiöse Strukturen kämpft, findet in weiten Kreisen Anerkennung.

Vorwort

Weshalb dieses Buch? Habe ich nicht schon alles aufgeschrieben? Nein! 8 Jahre lang saß ich in der ersten Reihe der Schmierenkomödie, die sich «unser Gesundheitssystem» nennt. Ich kenne das miese Programm. Jetzt ist es Zeit für eine letzte Warnung. Ich will aus meinem Herzen keine Mördergrube machen. Deshalb dieses Buch.

Renate Hartwig, April 2014

Kapitel 1   Die Wut eines Greenhorns

Ich war ein Greenhorn, eingeklemmt in den Sitz eines Reisebusses, auf meinem Weg in eine neue Welt. Greenhorns waren Männer und Frauen, die in ein unbekanntes Amerika aufbrachen, um ein neues Leben zu beginnen. Sie waren unerfahren und hatten keine Vorstellung von dem, was sie hinter dem Ozean erwartete. Sie waren perfekte Opfer für die Spießgesellen, die das raue Leben im neuen Land schon kannten. Die nutzten ihre Unerfahrenheit aus und benutzten sie für ihre Pläne. Es fällt mir nicht leicht, mir das einzugestehen: Aber genauso ein Greenhorn war ich auch. Und lange habe ich die Wahrheit nicht gesehen. Vor 2007 begann meine Reise. Mit dem Bus fuhr eine Gruppe Hausärzte nach Nürnberg zu einem Treffen, bei dem sie richtig Dampf ablassen wollten. Sie waren wütend und verzweifelt. Überall um mich herum klagten Männer und Frauen über ihre Situation. Sie schimpften und fluchten über ein Gesundheitssystem, in dem sie Gefangene bei Wasser und Brot waren. Aber keine Ärzte mehr, die gerne Patienten behandelten. Sie hatten Angst um ihre Zukunft, denn die Entscheider hatten sie an der Kehle gepackt und drückten ihnen die Luft ab. Die Honorare waren schlecht, und was ich in diesem Bus hörte, machte mir Sorgen: Viele Existenzen und Praxen standen vor dem Ende. Eine Welt ohne Hausärzte? Keine, in der ich leben wollte. So lange ich mich erinnern kann, hatte ich nie negative Erfahrungen mit Ärzten gemacht. Begegnungen mit ihnen hatte ich genug: Ich weiß noch heute, wie mein Kinderarzt, Dr. Wagner, ausgesehen hat. Graue Haare, für mich als Kind schien er riesengroß. Ja, er kam mir immer vor wie ein guter Riese. Wenn mir etwas wehtat, dann konnte er das wegzaubern. Ich konnte als Kind nicht verstehen, warum andere Kinder im Wartezimmer weinten und Angst hatten vorm Herrn Doktor. Aber es gab noch andere wichtige Ärzte für mich. Mein Vater war in meiner Kindheit schwer krank, und unser Hausarzt, Dr. Euler, kam immer zu uns nach Hause und hat ihn hervorragend betreut. Außerdem hat unsere ganze Familie meine kranke Mutter im Alter mit Unterstützung unseres damaligen Hausarztes daheim gepflegt. Dazu kamen Schwangerschaften, Geburten und natürlich Krankheiten. Alles waren Momente, in denen ich auf Ärztinnen und Ärzte angewiesen war und viele kennengelernt habe. Sie haben immer das erfüllt, was ich von ihnen erwarte: vertrauensvolle, verlässliche Partner zu sein. Sie haben sich Zeit genommen, zu verstehen und zu helfen. 2007 änderte sich alles. Da saß ich mit meinem rauen Hals im Sprechzimmer meines Hausarztes. Ich war allein – der Doktor war kurz raus zum Telefonieren gegangen. Plötzlich bewegte sich das Bild auf seinem Computerbildschirm, und ein breiter roter Streifen erschien. «Die Behandlungszeit für diesen Patienten ist abgelaufen», leuchtete da. Ich war ziemlich schockiert. Bisher gab es für mich in diesem Zimmer nur den Arzt und mich. Aber auf einmal hatte ich das Gefühl, als würde ein Fremder zwischen uns sitzen und bestimmen, dass ich jetzt zu gehen hätte. Aber ich konnte diesen Fremden nicht sehen und fragte mich: Wer entscheidet hier eigentlich, wie lange der Arzt mit mir reden darf? Ich wollte das verstehen, und als der Arzt zurückkam, habe ich ihn sofort auf dieses Laufband angesprochen. Er war ziemlich überrascht, es passte ihm nicht, dass ich den Hinweis auf seinem Bildschirm bemerkt hatte, und er sagte nur: «Ach wissen Sie, das ist das System.»Ich wollte, dass er mir das erklärt, aber er meinte: «Dazu reicht mein Budget nicht!» Ich war irritiert – bisher hatte ich nicht gehört, dass der Arzt für mich ein Budget hat. Bis dahin war ich immer voll Vertrauen zum Arzt gegangen, aber die Minuten in diesem Behandlungszimmer waren für mich wie ein Schock. Es war der Aufbruch in eine neue Welt, von der ich wenige Augenblicke vorher im Wartezimmer noch keinen blassen Schimmer hatte. Eigentlich ist das Bild von der neuen Welt ziemlich absurd, denn der Irrsinn dieses Gesundheitssystems trifft uns schon bei Lappalien wie einem Kratzen im Hals. Eigentlich sollten wir es deshalb kennen wie den Weg zum Hausarzt. So habe ich auch gedacht, dass ich eine Ahnung von diesem System hätte. Ich habe immer geglaubt, dass wir mit unseren Kassenbeiträgen ein Solidarsystem finanzieren, in dem der Gesunde für den Kranken zahlt. In dem Kassen das Beitragsgeld zum Wohle der Patienten verwalten und das nur zu dem einen Zweck existiert: im Krankheitsfall den Menschen mit den notwendigen Mitteln zu helfen. Damals wurde mir aber klar, dass wir für das «System» eine völlig neue Landkarte brauchen. Ich merkte zum ersten Mal, dass ich ein Greenhorn war. Zwar habe ich eine Versichertenkarte in meinem Geldbeutel, bin also Bürgerin des Landes «Gesundheitssystem », aber ich wurde wie alle anderen Kassenpatienten schön dumm gehalten. Denn ohne unser Wissen wurde die Gesundheitsversorgung umgepflügt und neu gestaltet, so dass ein gänzlich wildes und unentdecktes Land entstanden ist. In diesem Land herrschen nicht mehr Solidarität, Mitgefühl und Menschenwürde. In diesem Land schwingen die Betriebswirte, Ökonomen und Investoren die Gewinnpeitsche..(..)

Bleiben Sie dran, lesen Sie weiter, wie unser Gesundheitssystem tickt, Fortsetzung folgt RH

 
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