Krankenkassen – Alltagsgeschichten

Allein am vergangenen Wochenende bekam ich 14 Anfragen zum Thema “Kasse verweigert Leistung.” Die Kontakte kommen ĂŒberwiegendÂ ĂŒber E-Mail in der ĂŒblichen Tonart. “Frau Hartwig brauche ihre UnterstĂŒtzung.” Oder “Die Kasse verweigert meiner Oma seit Monaten notwendige Hilfsmittel. Was können wir machen?” Und dann gibt es Situationen, bei denen ich tief durchatmen muss, um nicht auf den Tisch zu hauen.

Da sitze ich mit meinem Mann im Cafe und am Nebentisch sitzen drei junge Frauen und unterhalten sich unĂŒberhörbar. Eine kam von der Apotheke und beschwerte sich ĂŒber hohe Zuzahlungen fĂŒr Medikamente. Aus ihrem kleinen Rucksack nahm sie ihre Geldbörse und legt den Kassenbon als Beweis auf den Tisch. Jeder der Damen gab dazu einen Kommentar, wobei das Wort “unverschĂ€mt” die harmlose Variante der eigenen Meinung war. Kurze Zeit spĂ€ter fragte eine, wo sie den Rucksack gekauft hat. Antwort: “Bonus von meiner Krankenkasse!” So, da ist er, der Moment bei dem entweder bei mir Schnappatmung einsetzt, da ich am liebsten auf den Tisch hauen wĂŒrde. Am Blick meines Mannes sah ich, er ahnte was ich denke und am liebsten machen wĂŒrde.  Also das kann ich doch nicht so stehen lassen. Ein ganzes Jahrzehnt versuche ich ĂŒber Publikationen und VortrĂ€ge das Bewusstsein zu schĂ€rfen, um genau hinzusehen, was da abgeht in unserem Gesundheitssystem, speziell in den Krankenkassen. Und dann das!! Die Bestuhlung in diesem Cafe war eng. Es war jedem klar, der Nebentisch hört alles mit. Manchmal trafen sich auch unsere Blicke. Beim Gehen legte ich den Damen meine Visitenkarte mit der Webadresse von meinem Blog auf den Tisch. ” Hier können Sie nachlesen, was Ihre Zuzahlung mit Ihrem Rucksack zu tun hat!”  Ob sie es getan haben, keine Ahnung. Nur so entging ich der Schnappatmung und auf den Tisch habe ich nur gedanklich gehauen.

Denn das Geld, das uns die Kassen als Bonus oder Rabatt “schenken”, geht von dem Geld fĂŒr die Behandlung der Kranken ab. Die Kassen erwirtschaften ja keine zusĂ€tzlichen Gelder mit dem Verkauf von Äpfeln oder Klosterfrau Melissengeist! Sie verpulvern stattdessen Millionen fĂŒr Werbung, um uns die Lockangebote ĂŒberhaupt erst schmackhaft zu machen. Und auch in anderen Bereichen schneiden sie sich die PrĂ€mien nicht durch Sparsamkeit etwa aus dem Fleisch. Die Kassen sind alles andere als SparfĂŒchse, wenn es um ihre GehĂ€lter oder GebĂ€ude geht. Nein, das Geld kommt aus der einzigen Quelle, aus der sie sich frei bedienen können: Unserem Beitragsgeld!

Renate Hartwig

 
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