7.Juni ein ganz besonderes Datum!

7.Juni 2015 – ein besonderer Tag! Dazu passt der Satz von Franz von Assisi: „Beginne mit dem Notwendigen, dann tue das Mögliche – und plötzlich wirst du das Unmögliche tun“! Heute vor 7 Jahren – am 7.Juni 2008 hat etwas stattgefunden, was bis dahin als Unmöglich betrachtet wurde! Leider haben damals die medialen Kräfte (warum auch immer!) gegen uns gewirkt, die große Masse der Bürger und Bürgerinnen haben nie über das Ereignis erfahren. Gut, dass es das Internet gibt! Es wäre schön, wenn viele einfach helfen würden, diesen einmaligen Beweis zu verbreiten. Bitte teilt, was das Zeug hält – damit keiner sagen kann, „man“ kann gegen den Wahnsinn ja doch nichts machen! Unten die beiden Links mit Auszügen eines Schulterschlusses der besonderen Art!

Zur Feier des Tages und zur Erinnerung was möglich ist, wenn wir uns zusammentun um etwas zu bewegen, ein paar Hintergründe dieses tollen Tages.
Mein Kopf war im Frühjahr 2008 bereits so voll mit Informationen über dieses Gesundheitssystem, dass mir die ganze Geschichte schon zu den Ohren herauskam. Ich recherchierte und suchte die Probleme. Ich informierte mich über die Kassenärztliche Vereinigung, stieg immer
mehr durch das Abrechnungssystem durch. Stieß auf seltsame Firmengeflechte. Ich forschte sogar im Handelsregister nach den Firmen und deren Geschäftsmodellen, die von der KV gegründet worden waren. In dieser ganzen Zeit dachte ich immer bei mir: Das ist irgendwie unfair, dass ich mir hier das Wissen ansammele, aber was nutzt das? Wem hilft es? Die Masse der uninformierten Patienten weiß gar nicht, was tatsächlich abgeht!
Ärzte sagten mir, wer an ihren Kittel zerren würde, während sie im Sprechzimmer den Patienten in den Hals schauen oder den Blutdruck messen!
Im März 2008 saß ich wieder mal im Nebenraum irgendeines Restaurants irgendwo im schwäbischen Hinterland. Aber mir reichte es: Immer jammern die Ärzte abseits. Eben im Nebenzimmer, das Wort sagt ja schon alles. Das Problem musste an die Öffentlichkeit. Manchmal gehen da mit mir die Gäule durch, und so sagte ich: „Das nützt nichts, im kleinen Kreis zu diskutieren! Es kommt mir vor wie eine Selbsthilfegruppe, die sich nicht zu helfen weiß. Ich geh jetzt raus und miete das Olympiastadion in München! Da gehen wir hin uns sagen allen was los ist!“ Hätten die Anwesenden gesagt: „Genau, so machen wir das! Das Olympiastadion sollten wir mieten!“, wäre vielleicht nichts passiert.

Aber stattdessen schaute mich ein Arzt an und stöhnte: „So ein Quatsch, das Olympiastadion? Das geht nie!“ Mit den drei Wörtern „Das geht nie“ verbindet mich von Kindesbeinen an, eine Todfeindschaft. „Das geht nie“ erzeugt bei mir immer einen „Dann erst recht“-Reflex. „Habt ihr es schon mal probiert?“, fragte ich in die Runde der Ärzteschaft. Natürlich hatte es niemand probiert. Und wenn man etwas nicht probiert hat, kann man nicht sagen, ob es geht oder nicht. Tage später irrte ich mit meinem Mann durch die Gänge im Münchner Olympiastadion. Der Veranstaltungsmanager starrte uns etwas verunsichert an. Eine Veranstaltung für gesundheitspolitische Aufklärung? Wahrscheinlich dachte er, das sei eher ein Thema für Nebenzimmer in Gaststätten. „Sie wissen, wie groß das Olympiastadion ist?“, fragte er. Sein Blick sprach Bände. Ich sagte Ja. „Wissen Sie, wie groß es wirklich ist?“, fragte er noch einmal. „Wenn Sie es nicht genau wissen, dann zeige ich es Ihnen.“ Und dann führte er uns auf die Ränge, immer höher und höher,
bis wir knapp unter dem Dach auf das riesige Feld schauten. 1972 fanden hier die Olympischen Sommerspiele statt, vor einem riesigen Publikum.
Jetzt wurde mir doch etwas mulmig: Das Stadion war gigantisch! „Wie viele Plätze hat das?“, fragte ich. „60.000“, kam knapp und präzise. Und ich sah ein Problem: Nur die Hälfte der Ränge war überdacht. Was ist, wenn es regnet und alle nass werden und sich einen Schnupfen holen? Heißt es dann hämisch: „Schau mal, die Hartwig, jetzt macht sie die Leute krank, damit die Hausärzte mehr Patienten kriegen“? Aber ich hatte eine Idee:
„Kann man auch nur die Hälfte mieten?“ Der Bereich unter dem Dach wäre perfekt. Der Manager schien erleichtert zu sein, dass wir so vernünftig waren. Ein Fußballstadion mit so etwas wie Gesundheitspolitik zu füllen, hielt er wohl immer noch für abwegig. Also unterschrieb ich mit meinem Mann einen Mietvertrag für das Olympiastadion, genau für 30.000 Plätze. Von da an war klar: Wenn das hier schiefläuft, stehen mein Mann und ich auf der Straße. Über eine Bankbürgschaft, abgesichert über unser Haus legten wir los! Aber wie sage ich immer: „Wer wagt, gewinnt!“ 2008 war der Sommer der Hausärzte und Patienten. Mein Traum vom Schulterschluss funktionierte. Der Hausärzteverband faxte Informationen zur Veranstaltung an alle bayerische Praxen. Wir druckten Plakate, und die Wartezimmer waren voll mit Informationen. Die Hausärzte sprachen mit ihren Patienten, Busse wurden bestellt, und viele luden zu einem etwas anderen Familienausflug in das Münchner Olympiastadion ein. Für mich ging es um das Miteinander, ich war überzeugt, nur so können wir zusammen diesem Spuk im System ein Ende bereiten. Für mich war es eine gesellschaftliche Notwendigkeit, geradezu Bürgerpflicht, sich hier einzubringen und einzumischen.

Schließlich kam der 7. Juni 2008 – der Tag der Wahrheit. Wir wussten nicht, wie viele Menschen kommen würden, und als ich morgens den Nieselregen durch das Hotelfenster sah (wir und viele Helfer übernachteten in München, es gab viel im Vorfeld zu organisieren), schickte ich ein Stoßgebet gen Himmel. Und dann ging es los: Die Busse aus dem ganzen Land rollten an und verstopften den Münchner
Stadtring. Ärzte kamen mit Patienten bis vom hohen Norden und füllten die Tribüne. Laut Kartenabrissen waren es 28.000 Menschen. Es gab ein buntes Programm – Kabarettisten traten auf. Pater Anselm Grün war da. Bürgerpatienten, berufspolitisch Erfahrene sowie junge Ärzte sprachen. Es
war ein wunderbares Forum, ein Familienausflug der ganzen Gesellschaft in das unbekannte und verdunkelte Gesundheitssystem. Für mich war damals klar: Das ist nur ein Anfang, wir müssen weitermachen! Wenn ich heute darauf angesprochen werde, weil dieser Tag im Internet weiterlebt, ist meine Antwort wie damals: Weiter informieren! So haben wir die Chance, dass wir gemeinsam Einfluss auf die Gesundheitspolitik nehmen können.
Ein Jahr später haben wir es noch einmal gestemmt! Nur………dann hat sich die Politik eingemischt und die Ärzte haben uns verraten! Denn den meisten Ärzten ging es leider um etwas anderes. Und sie verrieten die Bürgerbewegung. Der Schulterschluss zwischen Ärzten und Patienten
funktionierte in jenem Jahr 2008 zum ersten und 2009 zum zweiten Mal, sogar mit den Fachärzten! Wir haben damit bewiesen, welche Macht von informierten Bürgern ausgeht, denn die Politik reagierte schnell. Leider nicht so, wie ich es gehofft hatte. Sie erkaufte sich einfach das
Schweigen der Ärzte durch eine Honorarerhöhung über den Hausarztvertrag und die ließen sich kaufen. Sie gingen auch die Bedingungen ein: Entpolitisierte Praxen, unsere Plakate und Informationen aus den Praxen usw. Wir können heute zwar – schade sagen – doch was bleibt ist der Beweis, es geht und es liegt nur an uns! Diese Erfahrung und das Gefühl heute vor 7 Jahren und dann ein Jahr später im September 2009 kann uns niemand nehmen! Gebt es weiter, vielleicht wirkt es ansteckend!?

Renate Hartwig

https://www.youtube.com/watch?v=AjS9L8OzZZo 7.Juni 2008

https://www.youtube.com/watch?v=B_8__ogbgSs September 2009

 
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